Frictionless Sharing mit Facebook: Wollt ihr wirklich alles wissen?
„Open Graph“ Applikationen ermöglichen es Facebook Usern, noch mehr Aktivitäten mit ihren digitalen Freunden zu teilen. So ist es kaum verwunderlich, dass verschiedene Internet-Plattformen bereits „Open Graph“-Apps integriert haben – und Informationen direkt an den Newsfeed und die Chronik senden. Eine neue Funktion, „Frictionless Sharing“ genannt, macht’s möglich. Doch ausgereift sind viele dieser Apps noch lange nicht. Was noch alles im Argen liegt, haben sich unsere Social Media Agentur-Spezialisten mal näher angesehen.
Momentan ist sie in aller Munde, die Beta Testphase des neuen „Open Graph“ von Facebook. In den Medien wird derweil über die Vor- und Nachteile entsprechend viel diskutiert. Dabei ist sie gar nicht so neu, die angeblich so frisch angelaufene Version. Denn Facebook-Gründer Mark Zuckerberg stellte die Programmierschnittstelle schon im September des vergangenen Jahres auf der Entwicklerkonferenz f8 vor. Damals ging die erweiterte Version allerdings im Wirbel um die neue Facebook Chronik (in der englischen Version „Timeline“) ziemlich unter - bis jetzt.
Der Open Graph ermöglicht es dem geneigten Facebook-User, seine bevorzugten Inhalte mit seinem Freundeskreis zu teilen. Bestes – und wohl bisher bekanntestes – Beispiel dafür ist der „Like-Button“. Durch die neue Generation der Social Plugins bei Facebook wird das Grundprinzip des Teilens nun erheblich erweitert. Zukünftig heißt es dann nämlich nicht mehr immer und überall einfach nur „like“: Denn wem besipielsweise ein Web-Filmchen besonders gut gefällt, der „sieht“ ihn, wer einen Ohrwurm hat, der „hört“ den Song – und wem ein Rezept besonders gut schmeckt, der „kocht“ es zukünftig in seiner Timeline.
Doch damit nicht genug, der Open Graph kann noch viel mehr: So hat das mit dem neuen System leicht integrierbare „Frictionless Sharing” zum Ziel, zukünftig auch alle Ereignisse im Leben eines Menschen, die sich außerhalb der Facebook-Welt abspielen, den digitalen Freunden und Bekannten zugänglich zu machen. Wie das funktioniert? Eigentlich ist es ganz einfach: Der User muss sich nur mit seinem Facebook-Account auf der Internetseite, die Frictionless Sharing anbietet, einloggen.

Die verschiedenen Internetplattformen bieten dazu einen optisch bekannten Button an. Nach der Anmeldung können zum Beispiel News gelesen, Musiktitel gehört oder Filme angeschaut werden. Diese angesehenen Beiträge erscheinen dann zeitgleich in der Chronik und im Newsfeed und sind so für jedermann sichtbar – ohne, dass der surfende Timeline-Besitzer auch nur einmal zusätzlich auf einen Share-Button klicken muss. Wir meinen: Datenschützer-Nachtigall, ick hör dich trapsen…
Doch noch einmal ganz von Anfang: Um herauszufinden, was die vielfach gehypte, neue Facebook-Funktion so alles kann, haben wir die sozial-mediale Verschmelzung eines unserer privaten Facebook-Accounts bei MyVideo genauer unter die Lupe genommen. Und schon ging’s los: Kaum hatten wir uns, wie heutzutage vielerorts üblich, via Social Login Zutritt verschafft, mussten wir nur schon zustimmen, dass ALLE unsere Aktivitäten bei MyVideo weitergeleitet werden. Im Klartext: Ab diesem Zeitpunkt würden alle Videos, die wir über MyVideo angeschauen, für alle unsere „Freunde“ sichtbar in unserem Facebook-Account dokumentiert. Völlig automatisch und ganz ohne erneute Zustimmung.

Dabei übermittelt MyVideo die Daten glücklicherweise nur an die Chronik und den Newsfeed, wenn das gerade Angeschaute mindestens bis zur Hälfte durchgelaufen ist. Macht auch Sinn, denn Videos, die keinen Gefallen finden, werden selten bis zum Ende abgespielt. Der logische Schluss der MyVideo-Strategen: Jedem, der einen Beitrag länger als bis zur Hälfte laufen lässt, gefällt sehr wahrscheinlich das, was er sieht. Der auf diese Weise als „teilenswert“ eingestufte Film könnte demnach auch für Freunde relevant sein und… Bingo… er erscheint automatisch in der Timeline.
Allerdings gehen nicht alle Plattformen mit „Frictionless Sharing“ so bedacht um wie MyVideo: Die Verknüpfung zwischen dem Musik-Internetfernsehsender „Tape.tv“ und Facebook ist hier ein eher negatives Beispiel. Denn auf der Internetseite ist es egal, wie lange ein Video tatsächlich abgespielt wird. Schlimmer noch: Sobald ein Beitrag läuft, egal ob angeklickt oder automatisch gestartet, zählt dieser als Aktivität und die Daten sind in der Chronik und dem Newsfeed zu sehen. Eine Art des automatischen Teilens, die sehr wahrscheinlich ziemlich schnell zum Kappen der Verbindung führen dürfte, meinen wir.
Die Online Community „Foodspotting.com“ macht besonders auf sich aufmerksam: Nachdem die Accounts verschmolzen sind, hat die Anwendung einen eigenen Platz in der Facebook-Chronik. Dort zeigt diese dann unaufhörlich Restaurants, Kneipen oder andere öffentliche Orte an, an denen sich der User aufhält. Wird auch noch ein Foto geschossen, ist das Bild nicht nur bei Foodspotting.com zu sehen, sondern ebenso bei Facebook. Tolle Lokale oder Gerichte können direkt an Freunde weiterempfohlen werden. Aber der Nachteil ist auch klar: Jeder weiß dadurch, wo ich mich gerade aufhalte – und neu ist die Idee ja nun auch nicht: Places, Foursquare & Co. lassen grüßen…
Durch die ununterbrochene, automatisierte Verbreitung aller Aktivitäten wird Facebook dank „Frictionless Sharing“ schnell zum digitalen Tagebuch. Und unseren Recherchen zufolge gibt es bei den erwähnten Applikationen momentan noch keine Möglichkeit, direkt vor dem Schauen, Hören oder Fotografieren zu sagen: „Das soll jetzt nicht geteilt werden!“
Um Inhalte beim „Frictionless Sharing“ zu verbergen, gibt es deshalb gerade einmal zwei Möglichkeiten: Die Verbindung der Internetseite mit Facebook komplett trennen – oder die manuelle Löschung in der Chronik. Der Nachteil ist allerdings, dass das Löschen hinterher nicht bedeutet, dass niemand die Aktivität gesehen hat. Denn schließlich läuft auch alles parallel durch den Newsfeed!
Wir haben eine kleine Liste zusammengestellt, welche Internetseiten „Frictionless Sharing“ bereits verwenden.
Musik
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Social News
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